Praxis für Psychotherapie und Hypnose München

Die Kunst, Herz und Verstand in Einklang zu bringen

Therapie und Hilfe bei sexuellem Missbrauch, sexueller Gewalt und nach Vergewaltigung

Unter sexuellem Missbrauch versteht man erzwungene Handlungen, die den Zweck sexueller Befriedigung des Täters dienen und gegen die sich das (Vergewaltigungs)-Opfer gar nicht oder nur schwer wehren kann.

Nach wie vor ist das Thema trotz zunehmender Öffentlichkeitsarbeit ein sehr oft schambesetztes Tabuthema, was Betroffene trotz allem mit ihrem Trauma alleine da stehen lässt.

Etwa 10% der Deutschen haben in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Übergriffe erfahren. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich sogar höher.

Bei Frauen, sowie bei Männern, ist die Vergewaltigung das am häufigsten auftretende Trauma, das zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führt (56%), gefolgt von Vernachlässigung in der Kindheit, sowie sonstige sexuelle Belästigung, Übergriffe und Gewalt jeglicher Art.


Beginn und Verlauf

Oft entwickelt sich sexueller Missbrauch im Kindes- oder Jugendalter über einen längeren Zeitraum hinweg. Missbrauch geschieht zu 99 Prozent niemals zufällig, sondern ist geplant. Der Täter bereitet sein Terrain vor.

Ein unsicheres, problematisches und unstabiles familiäres Umfeld, in dem Unverständnis und emotionale Vernachlässigung vorhanden sind, bieten den idealen Nährboden für sexuelle Straftaten durch Missbrauch.

Nicht immer ist körperliche Gewalt Bestandteil des Missbrauchs. Bereits das Ausnutzen kindlicher Zuneigung und Vertrauen mit dem Ziel sexueller Befriedigung gehören dazu und fallen unter psychische Gewalt. Oft werden scheinbar harmlose Situationen dem Opfer spielerisch "verkauft" und mit Hilfe von Drohungen, Bestechungen oder Einschüchterungen über manchmal sehr lange Zeit fortgesetzt.

Das Opfer ist einem Wechselspiel zwischen angenehmen und unangenehmen Empfindungen ausgesetzt und komplimentiert durch psychologische Druckmittel, wie u.a. Bestrafung. Dieser emotionale Terror führt zu innerer Spaltung und Zerrissenheit. Das Selbstvertrauen, die Selbstliebe, der Selbstwert und die Entscheidungsfähigkeit schwinden.

Die Betroffene Person wird meist systematisch von seinem Umfeld isoliert und nicht selten verschließen Mitwissende (wie z.B. Angehörige) die Augen oder nehmen die "Notrufe" des Opfers nicht wahr oder ernst. Die dadurch entstehenden Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, Ohnmacht und Angst hinterlassen oftmals tiefgreifende und gravierende Folgeschäden.


Die Intensität des Traumas bei sexueller Gewalt

Die Intensität einer posttraumatische Belastungsstörung bei sexueller Gewalt ist abhängig von:

  • Wie groß war die eigene Gefährdung?
  • Wie direkt wurde die Gefährdung oder Todesgefahr erlebt?
  • Wie intim war die Beziehung zum Täter?
  • Wie lange dauerte das traumatische Geschehen an?

 

Die Folgen

Die Folgen sexuellen Missbrauchs, bzw. sexueller Gewalt sind oft GRAVIEREND. Die hier aufgelisteten Verhaltensweisen und Symptome sind zwar nicht nur auf sexuellen Missbrauch zurückzuführen und können alters- und geschlechtsabhängig variieren, doch sie treten oft in diesem Zusammenhang in unterschiedlicher Intensität in Erscheinung.

  • Angststörungen, Depression
  • Schuldgefühle, Schamgefühle, Selbstvorwürfe, Verlust der Selbstachtung
  • Gefühle der Hilflosigkeit, Ohnmacht, Verwirrung, Ambivalenz, Zukunftslosigkeit, emotionale Abgestumpftheit, Taubheit und Instabilität
  • Wut, Aggressivität (aktiv oder passiv)
  • Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen und Teilnahmslosigkeit
  • Emotionaler Rückzug als Schutzreaktion vor emotionaler Überforderung
  • Borderline PS, impulsives und selbstverletzendes, (selbst)zerstörerisches Verhalten
  • Dissoziative Identitätsstörung *)
  • Konzentrationsstörung, Erschöpfung, häufiges kränkeln
  • Innere Unruhe und Unsicherheit
  • Schlafstörungen und Essstörungen (Magersucht, Bulimie), Appetitverlust
  • Double Bind Kommunikation
  • Sexuelle Promiskuität, sexuell provozierendes Verhalten und andere Störungen der Sexualität
  • Übersteigerte Achtsamkeit, Alarmbereitschaft und großes Misstrauen, chronischer Stress
  • Zwangshandlungen und Zwangsstörungen
  • Beziehungsprobleme
  • Verhaltenssüchte, Drogenkonsum, Alkohol, Medikamente als Bewältigungsstrategie
  • Psychosomatische Störungen und vegetative Übererregbarkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Unterleibschmerzen, Reizdarm, Übelkeit, Zittern, Kreislauflabilität, Ohnmachtsanfälle, Hyperventilation, etc.
  • Suizidversuche

Wie bei anderen Ursachen von PTBS / Trauma so ist auch beim sexuellen Missbrauch der psychische Schutzmechanismus durch extreme und anhaltende seelische Überforderung beeinträchtigt, sodass das Gehirn Schwierigkeiten hat die traumatischen Eindrücke adäquat zu verarbeiten und manche Informationen im sogenannten "Traumagedächtnis" ablegt sind. Hier bleiben sie oftmals als unzusammenhängende Datenfetzen außerhalb des Bewusstseins liegen. Dies dient als Schutzmechanismus. Wenn jedoch das Trauma gar nicht oder nur unzureichend aufgearbeitet wird, können diese Informationen zu zahlreichen Beeinträchtigungen (siehe oben) führen und negative Auswirkungen auf alle Lebensbereiche haben.

*) Dissoziative Identitätsstörung (DIS)

Die dissoziative Identitätsstörung oder auch multiple Persönlichkeitsstörung drückt sich aus durch eine Entwicklung von mehreren, voneinander unabhängige Persönlichkeiten, bei der oftmals eine Amnesie zwischen den einzelnen Anteilen vorliegt, d.h. die eine weiß nichts von dem, was die andere denkt, sagt oder macht.
Es wird vermutet, daß Betroffene gewisse traumatische Erlebnisse abgespaltet (dissoziiert) haben und eine Integration des Erlebten verhindert wird. Die DIS ist jedoch nicht mit einer Schizophrenie zu verwechseln!


Typische Abwehrmechanismen

Abwehrmechanismen (siehe auch Borderline) haben die Aufgabe das Bewusstsein vor schmerzhaften Erinnerungen zu schützen. Allerdings ist keine Traumaheilung möglich, solange traumatisierende, an Emotionen gekoppelte Bilder im Traumagedächtnis (siehe oben) gelagert werden und von dort aus unbewusst ihr Unwesen treiben.

Für eine Heilung ist es jedoch keinesfalls notwendig alle Erinnerungen lückenlos wiederherzustellen. Ich arbeite stets mit dem, was gerade vorhanden ist und ermutige Betroffene sich intuitiv auf den Prozess einzulassen, ohne dabei Dinge erzwingen zu müssen: Was ist, ist.

Der Weg zur Heilung beginnt jedoch stets mit dem Stop von Verleugnung und Verharmlosung. Solange das Opfer keine Einsicht zeigt, wüten die verdrängten Bilder im Unterbewusstsein und fressen die Seele bei lebendigem Leib auf: "Denial is the Killer! You are only as sick as your secrets!"


Umfeld und Angehörige

Nicht nur die Opfer sind von den Folgen betroffen, sondern auch die Menschen im engeren Umfeld. Angehörige von Opfern sexueller Gewalt stehen meist vor einer sehr großen Herausforderung, der sie im Alleingang selten gewachsen sind und die ihnen oft unlösbar erscheint.

Therapeutische Unterstützung und Begleitung sind hier von großem Nutzen, um gemeinsam Schritt für Schritt den Weg aus der Krise zu meistern. Das gute jedoch ist: Wie mit jeder Krise, so besteht auch hier für beide Beteiligten ein sehr großes Wachstumspotential, was der Beziehung tausendfach zu Gute kommen kann!

Mehr über Hilfe und Therapie für Angehörige: hier klicken.


Prävention

Oft stellen Medien Themen, bei denen sie sich hohe Einschaltquoten erhoffen, diese in voyeuristischer Weise dar - vor allem, wenn es sich um psychische Störungen oder auch sexuelle Gewalt handelt (ich habe mindestens ein bis zwei Anfragen von TV Produktionsfirmen pro Quartal, die mit ihren unverschämtem Anfragen die Sensationslust ihres Publikums befriedigen möchten!).
All das macht es verantwortungsvollen Eltern nicht viel leichter ihr Kind vor sexueller Gewalt adäquat und wirksam zu schützen. Dennoch gibt es ein paar wesentliche Ansatzpunkte, die eine Prävention ermöglichen.

Dazu gehört vor allem ein stabiles und auf Vertrauen aufgebautes Elternhaus, welches das Kind in seiner Sexualentwicklung begleitet und für sexuellen Missbrauch sensibilisieren kann. Das Kind muss offen über alles reden dürfen, denn Angst ist stets ein schlechter Begleiter, vor allem, wenn es um Missbrauch geht.

Desweiteren kann eine effektive Präventionsarbeit in Form von Elternbildung seitens Erziehern, Lehrkräften oder Vereinen erfolgen. Aber auch Selbstverteidigungskurse für Kinder und Jugendliche tragen zum Schutz bei, wie z.B. Krav Maga. Junge Menschen lernen mit ihren Gefühle umzugehen, "Nein" zu sagen, Mut und Selbstbewusstsein aufzubauen.
Zur Vorbeugung gehört jedoch auch die Therapie und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch betroffener Opfer, da diese später selbst Täter zu werden können.

"Die Schande muss beim Täter liegen, nicht bei den Opfern." - Angelina Jolie, 2014, Konferenz über sexuelle Gewalt


Therapieansätze, Ziele, Gewinn

Warten Sie nicht!!! Je schneller die Bereitschaft zur Therapie vorhanden ist, desto besser und erfolgreicher lassen sich die Folgeschäden behandeln! Verdrängen und Verleugnen vertieft nur die Symptome und erschwert den Weg der Heilung. Außerdem, falls Sie Kinder haben, dann wollen sie diesen nicht unbewusst ihre eigenen Verhaltensmuster mitgeben, die sie ohnehin schon teilweise auf zellulärer Ebene während der Schwangerschaft übernommen haben (auch das lässt sich von kompetenten Körpertherapeuten mit bestimmten Methoden effektiv behandeln!).

Indem verdrängte Erfahrungen bewusst wahrgenommen, ans Tageslicht gebracht werden und nicht länger verleugnet werden (Akzeptanz) können destruktive Verhaltensweisen verändert werden: Das (oftmals kindliche oder jugendliche) Opfer reift zu einem erwachsenden Bewusstsein heran und übernimmt die Verantwortung für sein Leben.

Weiterhin trägt das Erinnern und darüber Sprechen (Critical incident debriefing) effektiv zum Stressabbau und zur Verarbeitung und Heilung bei. Mit dem Erinnern kommen auch oftmals alte Gefühle ans Tageslicht, die dann transformiert und mit positiven Gefühlen verankert werden können. Manche Erinnerungen können durch äußere Faktoren "getriggert" werden, z.B. durch eine körperliche Berührung, einen bestimmten Geruch oder den Tonfall einer Stimme. Das kann im Zuge der Therapie ggf. auch durchaus gezielt geschehen.

Auch wenn sexueller Missbrauch oft dramatische Konsequenzen hat, so gibt es jedoch auch hier sehr effektive Methoden und Wege innere Heilung. Der erste Schritt liegt darin, sich professionelle Hilfe zu holen.

  • Stressbearbeitung durch gezielte Nachbesprechung von belastenden Ereignissen (Critical incident debriefing)
  • Stressmanagement und Anti-Stress Training
  • Mentale Stärke und emotionale Kontrolle
  • Achtsamkeitstraining und Entspannungstraining, Stärkung der Selbstwahrnehmung
  • Atem-Übungen
  • Kommunikations- und Sozialtraining
  • Problemlösungskompetenz
  • Bearbeitung von Folgen und komorbiden Problematiken
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