Die hier angegebenen Informationen dienen in zusammengefasster Form als Orientierungshilfe
und sollen Ihnen aufklärend einen Zugang zu verschiedenen Störungsbildern
ermöglichen. Weiterführende Informationen können Sie entsprechender Fachliteratur
entnehmen.
Die Lebenszeitprävalenz psychischer Erkrankungen, d.h. der Prozentsatz der
Normalbevölkerung, der innerhalb des gesamten Lebens mindestens einmal eine
psychische Störung entwickelt, liegt bei c.a. 43%.
Etwa 80% aller Patienten mit psychischen Erkrankungen werden nicht von Fachärzten,
sondern von Hausärzten behandelt. D.h., in der Hausarztpraxis ist jeder vierte
Fall ein Patient mit einer psychischen Erkrankung, wobei die Depressionen, Angststörungen,
Alkoholerkrankungen und somatoforme Störungen ganz vorne liegen.
Depression:
Als Leitsymptome gelten depressive Verstimmung, Hemmung von Antrieb und Denken
sowie Schlafstörungen. Das Ausmaß kann von leicht gedrückter Stimmung
bis zum schwermütigen, scheinbar ausweglosen, versteinerten "Gefühl
der Gefühllosigkeit" reichen. Weitere Symptome konnen sein: Interessenverlust,
Freudlosigkeit, verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration, vermindertes Selbstwertgefühl
und Selbstvertrauen, negative Zukunftsperspektiven und Zukunftsangst, Suizidgedanken, verminderter
Appetit, Morgentief, Weinanfälle, Schuldgefühle, Übelkeit, innere
Unruhe, Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen, Druckgefühl auf der
Brust, Oberbauchbeschwerden, Energielosigkeit, Schwächegefühle, Grübeln,
Ängste, Verlust an sexuellem Interesse.
Angstattacken (Panik): Sie beschränken sich nicht auf eine spezifische
Situation oder besondere Umstände und sind somit nicht vorhersehbar.
Zu den wesentlichen Symptomen zählen plötzlich auftretendes Herzklopfen,
Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle
(Depersonalisation oder Derealisation).
Oft entsteht sekundär auch die Furcht zu sterben, vor Kontrollverlust oder
die Angst, wahnsinnig zu werden.
Generalisierte Angststörung: Eine anhaltende, frei flottierende Angst,
die sich nicht auf bestimmte Situationen oder Objekte beschränkt. Beschwerden wie ständige
Nervosität, Unruhe, Konzentrationsprobleme, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen,
Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle, Mundtrockenheit oder Oberbauchbeschwerden
gehören zu diesem Bild.
Häufig werden Befürchtungen geäußert, der Betroffene selbst
oder ein Angehöriger könnten demnächst erkranken oder verunglücken,
sowie eine große Anzahl anderer Sorgen.
Phobien: Die Angst wird ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig
definierte, eigentlich ungefährliche Situationen hervorgerufen, welche in Folge vermieden oder mit großer Furcht
ertragen werden. Allein die Vorstellung, dass die phobische Situation eintreten könnte,
erzeugt meist schon Erwartungsangst. Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression
auf.
Zu den Phobien zählen die Agoraphobie, soziale Phobie und spezifische Phobie
(z.B. Examensangst, Schulangst, Angst vor Arbeit).
Hauptmerkmal ist ein anhaltendes oder wiederholtes Auftreten von körperlichen
Symptomen, für die keine ausreichenden organischen Befunde nachweisbar
sind. Trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der Ärzte,
dass die Symptome nicht körperlich begründbar sind, besteht weiterhin
eine hartnäckige Forderung weiterer medizinischer Untersuchungen. Ähnlich
zu den dissoziativen Störungen, so liegt auch hier eine "Übersetzung"
unbewusster Konflikte in Körpersprache zugrunde: Der Konflikt wird auf
der "Bühne des Körpers" ausagiert. Aus lerntheoretischer
Sicht spielt ein erlerntes, sich immer wieder verstärkender Kreislauf eine
entscheidende Rolle.
Somatoforme Störungen zeigen eine Vielfalt von Symptomen in unterschiedlichen
Organsystemen: Schluckbeschwerden, Atemprobleme (Husten, Hyperventilation),
Rückenschmerzen, Erbrechen, Schmerzen in Armen und Beinen, Brennen in den
Geschlechtsorganen, Durchfall, Magenprobleme, Kurzatmigkeit, Thoraxschmerzen
(Brustkorb), Schwächegefühl, Schwindel, Nervosität, Sorgen, Amnesie
(Gedächtnisstörung).
Die zwei Hauptkategorien sind die Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. Zunehmend
tritt auch das Binge Eating in den Vordergrund (Konsumieren von großen
Mengen von Nahrung innerhalb von kurzer Zeit ohne Gegenmaßnahmen einer Gewichtsreduktion).
Anorexia nervosa ("Magersucht"):
Die Anorexia ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten oder
aufrechterhaltenen Gewichtsverlust charakterisiert.
Die Störung ist mit einer spezifischen Psychopathologie verbunden,
wobei die Angst zu dick zu werden besteht und die Betroffenen eine sehr niedrige Gewichtsschwelle
für sich
selbst festlegen (Körperschemastörung). Zu den Symptomen gehören
übertriebene körperliche Aktivitäten, eingeschränkte Nahrungsauswahl,
selbstinduziertes Erbrechen und Abführen und der Gebrauch von Appetitzüglern
und Diuretika. Bei Frauen kann es zum Ausbleiben der Regelblutung kommen (Amenorrhoe),
bei Männern zu Potenzverlust. Es können zusätzlich depressive
und Zwangssymptome wie auch Merkmale einer Persönlichkeitsstörung
vorkommen. Des Weiteren müssen somatische Ursachen eines Gewichtsverlustes
berücksichtigt werden, wie z.B. Hirntumore oder Darmerkrankungen, die eine Anorexia ausschließen.
Die Anorexia nervosa ist nicht mit Appetitverlust zu verwechseln.
Bulimia nervosa ("Ess-Brech-Sucht"):
Die Bulimie ist durch wiederholte Anfälle von Heißhunger
und übertriebenen Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts
charakterisiert. Dies veranlasst die betroffene Person, mit extremen Maßnahmen
den dickmachenden Effekt durch Erbrechen oder Gebrauch von Abführmitteln
zu mildern. Wiederholtes Erbrechen kann zu Elektrolytstörungen (Flüssigkeitshaushalt)
und körperlichen Komplikationen führen (epileptische Anfälle,
Tetanie, Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche), sowie zu Zahnschäden und Schwielen an den Händen.
In vielen Fällen ist eine Schlafstörung Symptom einer anderen psychischen oder
körperlichen Krankheit. Dieser Bereich umfasst nur Schlafstörungen,
bei denen emotionale Ursachen als primärer Faktor aufgefasst werden. Die
am häufigsten vorkommende Schlafstörung ist die Insomnie (Ein- und
Durchschlafstörungen, morgentliches Früherwachen). Seltener sind die
Hypersomnie (exzessiver Schläfrigkeit während des Tages oder das Auftreten
von Schlafanfällen), sowie Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Überwiegend
in der Kindheit auftretende Schlafphänomene sind Schlafwandel, Albträume
und Pavor nocturnus (Nachtangst).
Oft besteht ein Missbrauch von Alkohol und Medikamenten. Weit über 1 Million
Bundesbürger nehmen regelmäßig ein Schlafmittel ein. Bei 90%
an Depression oder Manie Erkrankten treten Schlafstörungen auf. Ausgeschlossen
von Nichtorganische Schlafstörungen sind Myoklonus (rasche unwillkürliche
Muskelzuckungen), Restless-legs-Syndrom, Schlafapnoe-Syndrom (SAS), Epilepsien sowie Demenz.
Hier wird grob unterschieden in sexuelle Funktionsstörungen (nicht organisch
bedingt), Störungen der Geschlechtsidentität und Störungen der
Sexualpräferenz.
Zu den sexuellen Funktionsstörungen zählen mitunter Erregungsstörungen,
Appetenzstörungen (Ekel, Angst, Aversionen), ggf. Hypersexualität,
Orgasmus-
störungen, Vaginismus (Scheidenkrampf) oder Dyspareunie (Schmerzen
während des Verkehrs).
Die Störungen der Geschlechtsidentität
umfassen den Transsexualismus (der Wunsch, als Angehöriger des anderen
Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden) sowie den Transvestitismus (das
Tragen von gegengeschlechtlicher Kleidung, jedoch ohne sexueller Erregung).
Störungen der Sexualpräferenz beinhalten den Fetischismus, den fetischistischen
Transvestitismus (Kleidung des anderen Geschlechts wird hauptsächlich zur
Erreichung sexueller Erregung getragen), Exhibitionismus, Pädophilie, u.s.f.
Hierunter werden tief verwurzelte, anhaltende und weitgehend stabile Verhaltensmuster
verstanden, die sich in starren Reaktionen in unterschiedlichen persönlichen
und sozialen Lebenslagen zeigen. Persönlichkeitsstörungen unterscheiden
sich von anderen psychiatrischen Störungen in vielfältiger Weise.
Die Abgrenzung zu noch ungestörtem und toleriertem Verhalten fällt
häufig schwer. Die einzelnen Formen werden nach den vorherrschenden Verhaltensmustern
klassifiziert.
Paranoide Persönlichkeitsstörung: ausgeprägtes Misstrauen, übertriebene
Empfindlichkeit und rigides, streitsüchtiges Beharren auf vermeindlichen
eigenen Rechten; vermeiden engerer Kontakte und Neigung zu pathologischer Eifersucht.
Schizoide Persönlichkeitsstörung: reserviert, scheu, zurückgezogen;
emotionale Kühle, einzelgängersich; das Fehlen von engen, vertrauensvollen
Beziehungen; gesellschaftliche Regeln werden oft nicht anerkannt.
Schizotype Persönlichkeitsstörung: kalter und unnahbarer Affekt;
seltsames, exzentrisches Verhalten, fehlende soziale Bezüge und sozialer
Rückzug. Die Sprache kann vage, umständlich und gekünstelt erscheinen.
Dissoziale Persönlichkeitsstörung: Vorwiegend Auswirkungen im sozialem
Bereich; die Betroffenen können sich nicht an gesellschaftliche Normen
anpassen und sich sehr unzureichend in die Gefühle anderer hineinversetzen;
weitgehende oder vollständige Unfähigkeit zum Erleben von Schuldbewußtsein
und zum Lernen aus Erfahrung; Rücksichtslosigkeit, Verantwortungslosigkeit,
Flaschheit, Aggressivität.
Histrionische Persönlichkeitsstörung: Theatralisches Verhalten mit
übertriebenen Ausdruck von Gefühlen. Ständiges Erwarten von Bestätigung,
Anerkennung oder Lob von anderen; emotional oberflächlich und leicht beeinflussbar.
Attraktiv, verführerisch, ausgeprägte Sensibilität und Verletzbarkeit
- die Prinzessin, das Opfer.
Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung: Perfektionismus,
Starrheit, Rigidität, Kontrolle, übermäßige Gewissenhaftigkeit,
Eigensinn, Pedanterie; spielt gerne den "Moralapostel";
Borderline Persönlichkeitsstörung: Instabilität des eigenen
Selbstbildes, der inneren Ziele und der subjektiven Präferenzen. Häufig
selbstschädigendes und selbstverletzendes Verhalten (ritzen, Kopf gegen
die Wand schlagen, Brandverletzungen, Balancieren auf Brückengeländern);
Gefühl von innerlicher Leere, Schwarz-Weiß Denken, Angst verlassen zu werden oder vor dem Alleinsein,
Impulsivität; Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen;
Suiziddrohungen und Suizidversuche.
Ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung: Leicht verletzbar
durch Kritik; Angst vor Ablehnung; Potenzielle Probleme, Gefahren oder Risiken
werden übertrieben; Furcht vor Erröten vor anderen, zu Weinen oder in
Verlegenheit zu geraten.
Abhängige Persönlichkeitsstörung: Kaum in der Lage, Entscheidungen
zu treffen; Angst vor dem Verlassenwerden; große Nachgiebigkeit gegenüber
den Wünschen anderer und das Zurückstellen eigener Bedürfnisse;
Gefühl der Hilflosigkeit.
Narzistische Persönlichkeitsstörung: Mangelndes Einfühlungsvermögen,
überzeugt von der eigenen "Großartigkeit"; Erwartung von
anderen bevorzugt behandelt und als "etwas Besonderes" anerkannt zu
werden; instabiles Selbstwertgefühl; leicht kränkbar; Suizidalität.
Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung: Indirekter Widerstand gegen
Anforderungen an das eigene Verhalten; Trödelei, Verzögerungsmanöver,
Bockigkeit, absichtlich herbeigeführte Ineffizienz oder "Vergesslichkeit".
Die Betroffenen werden mürrisch, reizbar oder streitsüchtig, wenn
von ihnen etwas verlangt wird, was sie nicht tun möchten.
Hyperthyme Persönlichkeitsstörung: Durchgängig fröhliche
Grundstimmung, lebhaftes Temperament und ausgeprägte Aktivität. Aus
dieser Einstellung kann eventuell rücksichtsloses und wenig einfühlsames
Verhalten resultieren. Auch eine depressive Verstimmung kann vorkommen.
Depressive Persönlichkeitsstörung (Dysthymia): Chronsiche depressive
Verstimmung leichteren Grades. Die Betroffenen fühlen sich müde, depressiv,
unzulänglich und schlafen schlecht. Alles ist eine Anstrengung, nichts
wird genossen.
Zyklothyme Persönlichkeitsstörung: Dauerhafte Instabilität der
Stimmung mit zahlreichen Perioden leichter Depression und leicht gehobener Stimmung.
Das sogenannte Burnout-Syndrom rückt in unserer heutigen Zeit mehr und mehr
in den Vordergrund. Es handelt sich hierbei um einen
Zustand des "ausgebrannt sein" und kann nahezu alle sozialen Gruppen
treffen. Die Ursachen sind vielfältig. Charakteristischen Merkmale sind
eine körperliche und emotionale Erschöpfung, die Unfähigkeit
sich zu erholen, Desillusionierung, Aggressivität, Zynismus, Apathie, psychosomatische
Erkrankungen, existenzielle Verzweiflung, Sinnlosigkeit, soziale Isolierung
und Zurückgezogenheit, verminderte Motivation und Kreativität, sowie
erhöhte Suchtgefährdung. Auch die Suizidgefahr ist nicht außer
acht zu lassen. Das Syndrom hat nicht nur Auswirkungen auf den Betroffenen,
sondern auch auf sein soziales Umfeld.
Das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssysndrom, kurz ADHS, gehört
zu der Gruppe der hyperkinetischen Störungen. Es ist charakterisiert durch
einen frühen Beginn, meist in den ersten fünf Lebensjahren, die Kombination
von überaktivem, wenig modulierten Verhalten mit deutlicher Unaufmerksamkeit
und Mangel an Ausdauer bei Aufgabenstellungen. Hinzu kommen das rasche Wechseln
von einer Tätigkeit zu einer anderen, ohne etwas zu Ende zu bringen, desorganisierte
und überschießende Aktivität. Verschiedene andere Störungen
können zusätzlich vorhanden sein: Achtlosigkeit, Impulsivität,
Neigung zu Unfällen, Regelverletzungen, Distanzlosigkeit und Ruhelosigkeit.
Das klassische Bild für das ADHS ist der Zappelphilipp (Struwwelpeter).
Diese Schwierigkeiten persistieren gewöhnlich durch die Schulzeit und sogar
bis ins Erwachsenenalter. Im Jugendalter dominieren Impulsivität, Eigensinn,
Stimmungslabilität, Tagträumerei, chaotisches Zeitmanagement, geringe
Frustrationstoleranz und dissoziale Tendenzen. Auch die Neigung zu Delinquenz,
Sucht- und Persönlichkeitsstörungen ist wahrscheinlich.
Varianten des Glücksspiels sind Glücksspiele in Spielbanken (z.B.
Roulette, Black Jack), Geldspielautomaten, Sportwetten, Pferdewetten, Lotterien,
Rubbellotto, Glücksspiele im Internet, Börsenspekulationen und illegales
Glücksspiel.
Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff "Spielsucht" eingebürgert,
um das Erleben und Verhalten jener Spieler zu charakterisieren, die "Haus
und Hof" verspielt haben, dem Spiel mit Leib und Seele verfallen sind. Folgende
Erscheinungsbilder werden immer wieder deutlich: Das Glücksspiel strukturiert
und dominiert das Leben der Betroffenen. Mit zunehmender Häufigkeit und
Intensität des Spielverhaltens entwicklen sie eine ausgesprochene Kreativität
in der Erschließung neuer Geldquellen.
Das Verhalten vor und in der Spielsituation nimmt die Form eines Rituals an,
Abweichungen führen zu Irritationen bis hin zum Aberglauben. Familie, Beruf
und andere Interessen werden durch das Glücksspiel absorbiert, der Rückzug
aus dem sozialen Umfeld erfolgt in kleinen Schritten. Es kommt zu Konflikten
und Auseinandersetzungen wegen des Spielens. Betroffene weichen der Kritik aus
und laufen vor Alltagskonflikten davon. Unangenehme Gefühle werden durch
das Spielen betäubt. Das Glücksspiel ist zum obersten Daseinswert
geworden.
Die Folgeschäden führen zu finanziellen, existenziellen und psychosozialen
Problemen. Über kurz oder lang treten Störungen im zwischenmenschlichen
Bereich auf, Schuldgefühle, Angst und Depressionen können eintreten,
bis hin zum Suizid.
Betroffene kaufen enorme Mengen an Waren, wobei der Kauf ein kurzzeitiges Hochgefühl
auslöst und mitunter der Ablenkung von Problemen dient. Das Verhalten wird
verharmlost oder auch durch Lügen kaschiert. Auch wenn die Kaufsucht, wie
die Glücksspielsucht, zu den sogenannten Verhaltenssüchten zählt
(wie u.a. auch die Arbeitssucht, Sportsucht, Mediensucht, Computerspielsucht, Sexsucht), so ist bisher unklar, ob sie
ein eigenes Störungsbild darstellt.
Sogenannte "Würgespiele", bei denen sich Jugendliche die Luft abschnüren, wodurch
sie sich Rauschzustände oder Grenztoderfahrung versprechen, da das Gehirn
für kurze Zeit nicht mit Sauerstoff versorgt wird. Durch längere Bewußtlosigkeit
erleidet das Gehirn irreparable Schäden.
Während das "Halstuch-Spiel" in anderen Ländern, wie den USA
oder Frankreich, bereits mehrere junge Todesopfer gefordert hat, ist das Wissen
darüber in Deutschlands Schulen und Elternhäusern noch wenig verbreitet.
Anzeichen können Konzentrationsschwäche, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen
und Ohrenschmerzen sein.
Der Begriff "Posttraumatische Verbitterungsstörung" leitet sich
von der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ab. Beide rufen Beschwerden
hervor, die in einem negativen Ereignis wurzeln. Die Abgrenzung liegt jedoch in
der unterschiedlichen Art der Ereignisse, welche bei der Verbitterungsstörung
kein derartig katastrophales Ausmaß haben, sondern vergleichsweise gewöhnliche
Ereignisse darstellen: Arbeit (Jobverlust, Konflikte), Verlust eines geliebten
Menschen, Trennung, etc. Desweiteren zeigen sich charakteristische Symptome. Zwar
leiden auch verbitterte Patienten an den für PTBS typischen, belastenden
Erinnerungen, Verstimmtheit, Antriebslosigkeit und unspezifischen körperlichen
Symptomen, wie Schlafstörungen und Appetitsverlust - die vorherrschenden
Gefühle sind jedoch Gekränktheit, Wut und bittere Enttäuschung.
Notwenige Bedingungen: *) Ein negatives Ereignis vor Beginn der Störung.
*) Der aktuelle Zustand als direkte Folge dieses Ereignisses. *) Ungerechtigkeitsempfinden,
Verbitterung und emotionale Erregung beim Gedanken an das Ereignis. *) Im Jahr
vor dem Ereignis keine psychische Störung, die die Symptome erklären
kann. Weitere Symptome: *) Hilflosigkeit und das Gefühl, Opfer zu sein. *) Schuldgefühle,
das fragliche Ereignis nicht verhindert oder nicht anders darauf reagiert zu
haben. *) Sich aufdrängende Erinnerungen, zusammen mit dem Wunsch, das
Ereignis nicht zu vergessen. *) Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen
Wohlbefinden und einer möglichen Heilung. *) Schlechte Stimmung, Nidergeschlagenheit
oder Aggressionen. *) Suizidgedanken. *) unspezifische körperliche Symtome,
wie Appetitsverlust, Schlafstörungen und Schmerzen. *) Angst vor Orten,
Personen oder Dingen, die mit dem Ereignis verbunden sind. *) Verringerter Antrieb
und Widerwille. *) Freude bei Rachegedanken.
Bei den meisten in der Liste befindlichen Störungen ist primär eine
ärztliche Behandlung angesagt. Psychotherapie kann hierbei nach Absprache
begleitend durchgeführt werden.
Alle Angaben ohne Gewähr. Quellenangaben: Psychiatrie und Psychotherapie (Urban & Fischer),
Psychiatrie und Psychotherapie (Thieme Verlag), Spielsucht - Ursachen und Therapie v. Meyer/Bachmann, ICD-10